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Meine Verbindung in die restliche Welt

Atlanta im Chaos!

Wenn man in den USA ankommt, fällt einem eine Besonderheit sofort auf – viele Stromleitungen verlaufen hier oberirdisch! Daraus entstehen so einige Nachteile. Zum Beispiel muss Geld für Gärtner ausgegeben werden, die die Büsche und Bäume so zurecht schneiden, dass sie den Leitungen nicht in die Quere kommen. Das wiederum stellt ein Hindernis für den Verkehr dar, da die Stromleitungen meistens direkt neben der Straße entlang laufen.
Der weitaus größere Nachteil ist allerdings, dass die Stromleitungen ohne jeden Schutz dem Wetter ausgeliefert sind und diesem nicht immer standhalten können. Bei Stürmen kommt es daher sehr schnell zu Stromausfällen, da Bäume auf die Leitungen fallen und sie zerreißen können.

Dem war auch so am Dienstag. Als erstes muss ich aber einfügen, dass das Wetter hier momentan verrückt spielt. Letzte Woche hatten wir noch Minusgrade und ich musste sogar meine Winterjacke wieder aus dem Schrank holen. Am Dienstag hatten wir dann auf einen Schlag 27 Grad. Das es unter diesen Bedingungen zu einem heftigen Gewitter kommen muss, versteht sich schon fast von selbst.
Es fielen schon die ersten kleinen Regentropfen, als ich Angie vom Tanzen abholte. Danach sind wir aber nicht nach Hause gefahren. Wir haben meine Gastmutter beim Georgia Aquarium in Downtown abgeholt und ich habe die beiden danach beim Fox Theater abgesetzt. Dort haben sie sich eine Show angesehen.
Ich bin weiter zu meiner Kirche gefahren. Da es Dienstag war, fand die College Community Group statt. Es war seit langer Zeit mal wieder, dass ich pünktlich war. Aber egal wie pünktlich ich bin, Grace ist meistens schon vor mir da 🙂
Später am Abend während wir alle der Message lauschten, viel auf einmal der Strom aus. Das Technikteam hat aber schnell wieder alles ans Laufen bringen können und wir konnten fortfahren. Ich muss noch anmerken, dass es in dem Raum keine Fenster gab. Wir hatten also keine Ahnung, wie es draußen aussah.

Irgendwann zeigte uns eine Freundin schließlich ein Foto von der Situation draußen, dass sie gerade eben zugesandt bekommen hatte. In dem Moment wurde uns erstmal klar, dass draußen ein Gewitter mit prasselnden Regen und beeindruckenden Blitze stattfand. Daher also der kurze Stromausfall.

Als wir später auf den Parkplatz traten, war das Gewitter bereits weiter gezogen. Ich sah in der Ferne einen Blitz und es regnete nur noch.
Auf dem Weg nach Hause stellte ich fest, dass der Sturm zwar weitergezogen war, dass er aber definitiv Spuren hinterlassen hatte. So haben die ersten vier Ampeln, die auf meinem Weg lagen, nicht funktioniert. Das rote Licht war nur noch am blinken. In solch einer Situation soll man sich ja wie an einer Stop-Kreuzung verhalten. Einige Autofahren hielten sich aber natürlich nicht daran. Die Dunkelheit, der Regen und die Tatsache, das es sich um dreispurige Fahrbahnen handelte, machten das Ganze nicht gerade leichter.
In Buckhead haben die Ampeln wenigstens noch geblinkt. In meinem Stadtteil haben sie noch nicht einmal das mehr getan. Eine Straße war zudem von der Polizei abgesperrt worden, da dort eine der besagten Stromleitungen runter gekommen war.

Es fühlte sich an, als ob ich durch eine Geisterstadt fahren würde. Zu der Uhrzeit war kaum noch ein anderes Auto unterwegs und alles war dunkel. Die Geschäften, die sonst noch immer etwas Beleuchtung anhaben, lagen dunkel dar. Alle Reklame-Anzeige gaben kein Licht von sich und die Straßenbeleuchtung hat natürlich auch nicht funktioniert.
Auch zu Hause war der Strom selbstverständlich weg. Ich musste mein Handy an meinem Laptop aufladen, damit morgens mein Weckalarm noch funktionieren würde.

Am nächsten Morgen ging ich eigentlich davon aus, dass der Strom wieder da sei – aber Pustekuchen! Im Licht meiner Handy-Taschenlampe musste ich Angies  Frühstück zubereiten und ihre Lunchbox packen. Danach ging es ab ins Auto und schon nach einigen hundert Metern stellten wir fest, dass das Chaos herrschte. Die Ampeln funktionierten immer noch nicht und das im morgendlichen Berufsverkehr. Die Autos stauten sich.
Meine Gastmutter war auch mit im Auto, da ich sie zur Arbeit fahren sollte. Sie trug mir auf, über die Parkplätze der Einkaufszentren zu fahren. Gesagt – getan. Ganz wohl dabei war mir aber nicht. Vor mir wurde schon ein Auto von der Polizei angehalten und ich hatte nicht vor, die nächste zu sein. Aber alles lief gut und wir sparten so bestimmt 15 Minuten ein.

Ryan hatte an dem Tag keine Schule. Da der Strom noch nicht da war, blieb seine Schule geschlossen. Damit es nicht zu langweilig wurde, kam sein bester Freund vorbei. Wir haben gemeinsam auswärts zu Mittag gegessen und sind danach zu einer Tierhandlung gefahren, um unserem Hund ein neues Halsband zu kaufen. Ein Halsband haben wir zwar nicht gefunden, dafür konnten wir aber Welpen und Babykaninchen knuddeln. Darüber wird es aber noch einen extra Beitrag geben.
Wieder zu Hause angekommen, war der Strom zum Glück wieder da – nach über 12 Stunden.

So einen langen Stromausfall habe ich noch nie erlebt. Die armen Leute, die unter Hochdruck die ganzen Stromleitungen reparieren mussten.
Aber ich glaube, damit haben sich die Amerikaner abgefunden – das so gut wie jeder Sturm einen Stromausfall hervorruft.

2 Kommentare

  1. Nina

    Liebe Miri,

    schön, dass du in letzter Zeit wieder öfter einen Beitrag geschrieben hast, darüber habe ich mich sehr gefreut.
    Und ich muss sagen, ich bin froh, dass bei uns die Leitungen unterirdisch verlaufen! Wir haben hier zwar auch schon seit 8 Wochen oder so kein Internet mehr, aber immerhin liegt es wohl nicht an einer kaputten Leitung.
    Und weißt du, woran mich der Anfang des Beitrags erinnert? … An diese eine Folge von den Drei ??? (mir fällt aber beim besten Willen weder Titel noch die gesamte Handlung ein). Aber vllt weißt du ja, welche ich meine?! 🙂

    Liebe Grüße,
    Nina

  2. Mama

    Liebe Mirjam,
    jetzt sind wir fast schon wieder eine Woche zu Hause in Old-Germany angekommen und erinnern uns an die schöne Zeit mit dir. Wie gut du es angetroffen hast und miterleben zu dürfen, wie dein Heute von statten geht, war sehr beruhigend für mich. Wie viele tolle Freunde du gewonnen hast, zeigt wie offen du geworden bist.
    Danke, dass Papa und ich, das hautnah sehen durften. Es waren wertvolle Wochen bei dir, deiner Gastfamilie und deinen Freunden.
    Auch wenn ich zum Abschied weinen musste, es waren Tränen der Freude dabei.
    Habe dich sehr, sehr lieb.
    Mama

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