Der Moonwalk vorwärts!

Der Moonwalk vorwärts!

Am Wochenende ist viel geschehen und eigentlich wollte ich schon am Samstag den Beitrag geschrieben haben, aber dann saß ich so lange an den Aufgaben für meinen College Kurs, dass ich danach einfach genug vom vorm Laptop-Sitzen hatte. Dafür wird dieser Beitrag bestimmt wieder ellenlang.

Am Freitag musste ich ja, wie ihr wisst, nur drei Stunden arbeiten. Kaum war meine Gastfamilie aus dem Haus, bin ich in die Garage und habe nach Werkzeug gesucht, damit ich den Fahrradsattel niedriger machen konnte. Ich habe auch welches gefunden und es war gar kein Problem, den Sattel niedriger zu bekommen. Ich Dussel habe den Werkzeugkoffer dann aber falsch herum zumachen wollen. Die Folge – alles geriet durcheinander und ich durfte es erst 20151009_140836einmal wieder neu einsortieren. Dann ging es aber aufs Rad und ich war begeistert. Die Strecke führte direkt am Fluss entlang. Auf der anderen Uferseite konnte man die Sehenswürdigkeiten von DC sehen. Der Weg wurde von Trauerweiden eingerahmt und es war einfach nur wunderschön. Leider war es etwas bewölkt und es hat auch kurz einmal geregnet. Davo20151009_140856n habe ich mich aber nicht abhalten lassen. Ich weiß nicht, wie viele Meilen ich gefahren bin, aber am Ende war ich drei Stunden unterwegs gewesen. Ich bin auch am Ronald Reagan Airport vorbeigekommen. Dort habe ich mich auf eine Wiese gesetzt und die Flugzeuge donnerten im Minutentakt über meinem Kopf hinweg. Auf dem Rückweg musste ich dann durch eine Entenschar hindurchfahren. Das waren aber keine kleinen Enten. Die waren riesig, hatten aber auch keine Angst vor dem Fahrrad und haben mich nur angeschnattert. Ich werde bestimmt nochmal diese Tour machen.20151009_142504

Ich war danach auch ziemlich kaputt. Der Heimweg war nämlich überwiegend bergauf und genau zu diesem Zeitpunkt kam natürlich die Sonne raus. Also habe ich zu Hause erstmal Eis gegessen und mich entspannt. Abends habe ich mich dann mit zwei mexikanischen Au pairs getroffen. Wir sind zusammen essen gegangen. Es war richtig witzig und wir mussten viel lachen. Das Essen hat mir nicht so zu gesagt, aber die Gemeinschaft war toll. Die eine Mexikanerin ist übrigens die, mit der ich im Kino war.

Samstags habe ich mich dann wie gesagt an meine College-Aufgaben gesetzt. Es ist gar nicht mal so leicht für mich, Texte auf Englisch zu schreiben. In Deutsch wären die Aufgaben kein Problem, aber im Englischen fehlt mir halt noch die Redegewandheit. Ich hoffe, dass verbessert sich noch. Zwischendurch hatte ich keine Lust mehr und bin einkaufen gegangen. Mein Plan war nämlich, an diesem Tag auch noch zu backen. Schließlich hatte ich die ganze Küche (das ganze Haus natürlich) für mich alleine. Ihr glaubt nicht, wie teuer Nüsse hier sind. Da bist du locker mal zehn Dollar fürIMG-20151011-WA0003 einen Beutel los. Und dann haben sie sie nocht nicht einmal gemahlen. Es hat auch etwas gedauert, bis ich Sprudelwasser gefunden habe. Ihr müsst euch das so vorstellen: Es gibt einen ganzen Gang mit Wasser, aber alles nur stilles Wasser. Dazwischen steht eine Sorte Sprudelwasser – that’s it! Nachdem ich dann mit meinen Aufgaben endlich fertig war, ging es ans Backen. Dabei habe ich natürlich Hörspiele gehört. Die, die mich gut kennen, wissen, dass ich Hörspiele wie zum Beispiel „Drei Fragezeichen“ liebe. Mama hat sich immer darüber aufgeregt, dass ich beim Backen Hörspiele hören muss, schließlich ist die Rührmaschine ziemlich laut 🙂 Der Teig reichte für eine Kastenform und für ein paar Muffinformen. Ich musste leider noch einen kulturellen Unterschied feststellen. Die Sachen brennen hier nicht von oben an, sondern von unten. Es ist mir ein Rätsel, wie das zu Stande kommt. Ich habe mich nur gewundert, warum es so verbrannt riecht und warum so viel Qualm entsteht. Ich hatte schon Angst, dass der Feuermelder losgehen würde. Die Hälfte der Muffins konnte ich wegschmeißen und ich bin heute noch daran, die Muffinformen sauber zu bekommen. Der Kuchen ist aber richtig gut geworden.

Am Sonntag war ich erst im Gottesdienst, bin dann schnell nach Hause, habe mich umgezogen, ein Stück Kuchen in mich hineingestopft und bin dann wieder los, mich mit Anna und Rebecca zu treffen. Wir hatten uns schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Da die beiden grade finanziel auf Sparflamme sind, ging es diesmal nicht shoppen. Stattdessen ging es auf den Friedhof – zum Arlington Cemetery. Übers Cemetery an sich muss ich euch ja nichts mehr erzählen, das habe ich ja schon in einem anderen Beitrag gemacht. Wir wurden einmal von einem Ordner zurechtgewiesen, da wir nicht den Hauptweg zum Grab von IMG-20151011-WA0006Kennedy genommen haben, sondern zwischen den Grabsteinen hindurchgegangen sind. Also mussten wir den ganzen Weg wieder zurück laufen und auf dem Hauptweg zum wohl hässlichsten Grab auf Erden gehen. Es tut mir wirklich leid, aber ich kann diesem Grab einfach nichts abgewinnen. Da hätten die Amis sich wirklich was Schöneres für ihren Lieblingspräsidenten überlegen können. Rebecca, Anna und ich waren auch irgendwie nicht so wirklich in Friedhofsstimmung. Dafür waren wir einfach zu gut gelaunt und hatten uns viel zu viel zu erzählen und zum Lachen. Irgendwann haben wir dann auch mal das Grab von dem unbekannten Soldaten gefunden und haben uns dort hingesetzt. Dieses Grab hat auf jeden Fall eine coole Aussicht auf DC. Das Grab wird rund um die Uhr bewacht. Warum es bewacht werden muss, ist mir ein Rätsel. Auf jeden Fall läuft da ein Guard immer für eine Stunde auf und ab und dann wird gewechselt. Diesen Wechsel wollten wir uns anschauen. Wir fanden das ganze ziemlich lustig und konnten es einfach nicht ernstnehmen. Ich versuche noch, ein Video davon hochzuladen. Wenn der Guard läuft, sieht das einfach nur aus wie der Moonwalk vorwärts und in Zeitlupe. Und darauf sind die Amerikaner stolz. Wenn ihr mich fragt, ein bisschen zu viel „Ehre“.

Danach haben wir den Friedhof verlassen und sind am Fluss entlang nach Rosslyn (ein Stadtteil von Arlington) gelaufen. Dort haben wir uns in ein Cafe gesetzt und geredet und geredet und geredet. Zwischenzeitlich kam eine Schulklasse an, die dort essen wollten. Wir mussten mit Entsetzen feststellen, dass die Essmanieren von amerikanischen Kindern im Teenageralter nicht besser werden. Wie das eine Mädchen das Essen in sich hineingeschoben hat, war schon wiederlich. Rebecca hat den Nagel auf de Kopf getroffen: „Es ist wie bei einem Unfall. Man will nicht hinschauen, man muss aber!“ Wir konnten auch nicht fassen, wie aufgestylt diese 13-jährigen Mädchen waren. Danach ging es nur noch nach Hause.

Heute und morgen muss ich jeweils zehn Stunden am Stück arbeiten. Bis jetzt ist es chilliger, als ich gedacht hätte. Vormittags sind wir zu einem Spielplatz gegangen und grade haben die Mädchen ihren Mittagsschlaf oder ihre Ruhephase. Ich bin aber trotzdem froh, wenn am Mittwoch wieder beide Mädchen in die Schule gehen.

3 Gedanken zu „Der Moonwalk vorwärts!

  1. Huhu!

    Jaaa, also backen ist schon was Tolles. Ich backe meistens zusammen mit meiner Omi, wenn ich die am Wochenende besuchen fahre. Wir haben schon Scones und Cantuccini gebacken.

    Warum musst du denn eigentlich jetzt 2 Tage lang 10 Stunden arbeiten? … Also warum müssen die Kinder erst wieder am Mittwoch zur Schule?

    Alles Liebe,
    Nina

    1. Leider ist Kochen und Backen für mich hier schwieriger, da es hier natürlich nicht die exakten Zutaten wie in DE gibt.

      Montags muss ich ja immer 10 Stunden arbeiten, damit ich genügend Zeit für die Wäsche und so habe. Diesen Montag hatten die Kinder ja auch frei, weil Columbus Day war. Claire hatte heute auch noch frei – keine Ahnung warum. Ella war zudem heute auch noch krank – so dass ich wieder beide Kinder hatte – sehr anstrengend!

      Hab dich lieb!

      1. Ja, das kann ich mir vorstellen. Wenn ich jetzt schon überlegen muss, wo ich all das herbekomme, nur weil wir keinen REWE oder so haben. Dafür gibt es hier Combi, ich sage dir, ein Paradies, wenn man Sachen zum Backen braucht.

        Ach ja, stimmt! Das klingt wirklich ziemlich anstrengend!

        Ich hab dich auch lieb!

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