YamYams-World

Meine Verbindung in die restliche Welt

Vorahnung

Kennt ihr das, wenn ihr den ganzen Tag über eine Vorahnung habt, dass heute noch irgendetwas passieren wird? Genau so ging es mir am Freitag und die Vorahnung sollte sich bestätigen. Aber ich fange mal von vorne an.

Der Tag ging ganz locker los. Ich habe ausnahmsweise einmal mit den Kindern zusammen gefrühstückt, da ich später Sport machen wollte. Und das sollte man ja bekannterweise nicht mit vollem Magen tun.
Claire war ziemlich aufgeregt, da es ihr letzter Schultag vor den Sommerferien war. Außerdem war es ihr letzter Schultag überhaupt an dieser Schule, da sie nach den Ferien auf Ellas Schule gehen wird.
Ich war schon etwas traurig darüber, Claire das letzte Mal zur Schule zu fahren. Ich habe den Weg und die Zeit im Auto geliebt. Wir haben gemeinsam Radio gehört, gemeinsam zu den Liedern gesungen und Claire hat meistens geredet wie ein Wasserfall. 🙂

Ich habe meine letzte sechsstündige Mittagspause damit verbracht, zu lesen und Sport zu treiben.
Als ich mich auf den Weg zur Claires Schule machte, wurde ich das erste Mal darauf aufmerksam, dass ich diese Vorahnung mit mir rumschleppte. Ich habe mich schon verrückt geschimpft und versucht, dass Gefühl zur Seite zu drängen.
Claire hatte eine Stunde früher Schluss als sonst und ich musste etwas in der Abhol-Auto-Schlange warten. Es läuft immer so ab, dass die Autos vorfahren, die Kinder in die ersten paar Autos eingeladen werden, diese dann weiterfahren und die anderen Autos aufrücken.
Beim Aufrücken war ich als Erstes in der Reihe und musste daher, um die enge Kurve herumfahren. Ich hielt an und öffnete Claires Tür. Das geht ja heutzutage alles automatisches. Auf einmal hörte ich ein lautes Knirschen und die Lehrerin, die Claire ins Auto half, machte auch nur „Oh oh“. Ich habe zuerst gar nicht realisiert, was passiert war. Ich dachte, irgendetwas wäre mit der Schiebetür kaputt. Nach ein paar Sekunden dämmerte es mir dann, dass mir das Auto hinter mir, draufgefahren war.
Als Claire sicher im Auto verstaut war, habe ich auf dem angrenzenden Parkplatz geparkt, um mir den Schaden anzusehen. Dieser war nicht groß. Um ehrlich zu sein, musste ich ihn sogar suchen. Unser Auto ist ja sowieso von oben bis unten zerkratzt. Es stellte sich heraus, dass sich der hintere Kotflügel (warum heißt das eigentlich „Kotflügel“?) etwas verschoben hatte.
Ich war von mir selbst erstaunt, wie ruhig ich geblieben bin. Das Gleiche kann man von der Faherin des Audis – ja, es war ein wunderschöner Audi – nicht behaupten. Sie hat fast angefangen zu weinen. Meine Versuche, ihr zu versichern, dass das alles nicht so schlimm sei, schlugen irgendwie fehl.
Sie hat mir ihre Daten gegeben und damit war die Sache fürs Erste geklärt. Die Polizei für diesen kleinen Zwischenfall zu rufen, kam mir zu blöd vor. Vor allem da es auf dem Gelände der Schule passiert war.

Zu Hause habe ich mir den Schaden noch einmal angeschaut und dabei festgestellt, dass das Auto Flüssigkeit verlierte. „Nicht gut“, dachte ich mir und so habe ich erst einmal meinen Host Dad angerufen. Der nimmt solche Sachen ja immer total locker auf und nachdem ich ihm alles erzählt hatte, meinte er nur: „Ok!“ und danach haben wir aufgelegt.

Wir hatten noch ein bisschen Zeit zum Schaukeln, bevor Claire und ich Ella vom Bus abholen mussten. Dieser dämmliche Bus hatte aber mal wieder Verspätung – 20 Minuten. Normalerweise macht mir das nichts aus, aber genau an diesem Tag hatten wir einen knappen Terminplan. Ab da fing also der ganze Stress an.
Von der Bushaltestelle liefen wir direkt zu einem Spielzeugladen, um Geburtstagsgeschenke für Ellas Freunde zu kaufen. Zum Glück konnte sich Ella sehr schnell entscheiden.
Trotzdem musste ich einen schnellen Schritt auf dem Nachhauseweg einschlagen – und das bei der Hitze. Schließlich hatte Ella noch Schwimmen. Natürlich genau an diesem Tag auch noch 45 Minuten früher als sonst.
Zu Hause angekommen, mussten die Kinder sich in Windeseile ihre Badesachen anziehen. Auf dem Weg nach draußen, durften die Mädchen sich noch ein Trinkpäckchen schnappen und auf ging es zum Subaru. Den Minivan wollte ich nämlich nicht mehr fahren, bevor nicht mein Gastvater einen Blick draufgeworfen hatte.
Das Problem war nur, dass ich den Subaru noch auftanken musste. Das hat uns natürlich noch mehr Zeit gekostet. Und um 5 Uhr ist auf Arlingtons Straßen sowieso die Hölle los aufgrund des Feierabendverkehrs.
Am Pool angekommen, stellten wir fest, dass kein Parkplatz mehr frei war. Daher mussten wir auf der Straße parken und den ganzen Weg wieder hoch laufen. Ella war nicht begeistert davon, zu spät zum Meeting ihres Schwimmteams zu kommen.

Aber sobald die Kinder im Wasser waren, hatte ich genügend Zeit, um mich von dem Stress zu erholen.
Bevor wir später wieder nach Hause sind, musste Ella noch auf Toilette. Sie kam und kam aber einfach nicht wieder. Also habe ich Claire losgeschickt, um nach ihr zu schauen. Sie kam kurze Zeit später wieder, um mir zu sagen, dass Ella ein Handtuch bräuchte. Ich dachte, Ella wolle sich den Badeanzug ausziehen und nur in ihrem Cover-up durch die Gegend laufen. Daher meinte ich, dass Ella kein Handtuch bräuchte. Claire verschwand also wieder und ich wartete und wartete und wartete.
Irgendwann wurde es mir zu bunt und ich ging selber nachschauen. Ella stand in der Kabine, ihren Badeanzug nur halb an und Claire vor ihr, auf sie am einreden. Es stellte sich heraus, dass Ella ihren Badeanzug nicht mehr hochgezogen bekam. Der klebte irgendwie aneinader fest. Mit einiger Mühe und Not und einigen „Au“-Ausrufen von Ella, haben wir den Badeanzug aber schlussendlich doch wieder an bekommen.
Später wies ich die Kinder darauf hin, dass das nächste Mal, wenn so etwas passiert, einer zu mir kommen könnte und mich direkt um Hilfe fragen könnte.
Claire antwortete darauf entrüstet: „Das habe ich doch getan“ Also wenn ihr mich fragt, gibt es einen Unterschied zwischen den Sätzen: „Ella braucht ein Handtuch“ und „Könntest du bitte mit mir kommen. Wir brauchen deine Hilfe.“ 🙂

Am Wochende hat mein Gastvater das Auto zur Inspektion in die Werkstatt gebracht und alles ist gut. Der Kot flügel ist zwar immer noch etwas verschoben, aber da das kaum auffällt, glaube ich kaum, dass das jemals repariert wird. Und der Flüssigkeitsverlust schien auch nicht dramatisch zu sein. Ob es repariert wurde, weiß ich nicht.

2 Kommentare

  1. Mama

    Hallo Mirjam,
    leider weiß ich auch nicht wieso der Kotflügel am Auto so benannt wird. Es gibt doch das Internet oder vielleicht gibt es die männlich Autofahrenden Männer die so etwas wissen könnten.
    Habe herzlich gelacht.
    Lieben Gruß
    Mama

  2. Klugscheisser der Familie

    Der Begriff Kotflügel selbst entstand in einer Zeit, in der noch Kutschen das Straßenbild beherrschten. Die damals meist offenen und von Pferden gezogenen Wagen wurden mit Abdeckungen über den Rädern ausgestattet, die von ihrer geschwungenen Form her entfernt an die Flügel von Vögeln erinnerten. Kot hieß ursprünglich „Dreck, Schmutz“, wie heute noch in Österreich, stand aber auch für Pferdedung und Fäkalien, die damals oft noch über die offene Straße entsorgt wurden. Der Sinn dieser Abdeckungen bestand darin, dass die Räder der Kutschen den Straßenkot nicht direkt auf das Fahrzeug oder sogar in den Innenraum der Kutsche schleudern und so die Insassen beschmutzen konnten. Dieselbe Funktion erfüllt beim Fahrrad das Schutzblech. [Quelle: wikipedia]

    Wiki hilft da doch immer 🙂

Kommentare sind geschlossen.